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Pfiffige Aktion gegen Tarifflucht

Würfel mit Beinen liefen am Donnerstag Morgen vor dem Autohaus Brunold auf und ab. Auch wenn das Ganze süß aussah, hat es doch einen ernsten Hintergrund. Mit ihrer Aktion machte die IG Metall Ludwigsburg auf die Tarifflucht des Autohaus Brunold aufmerksam. Auf den Würfeln stand „Hier werden nicht mehr die Mindeststandards der Tarifverträge garantiert“. Auf einem anderen Würfel stand zu lesen „schlecht für alle Beschäftigten des Kfz-Handwerks und ihre Familien. Zeigt Brunold die rote Karte“.
Gleichzeitig hat die IG Metall einen Flyer an die Passanten verteilt. Dieser Flyer lehnt sich an die Werbung des Autohaus Brunold für Cabriolets an und verwendet deren Motto „sonnige Zeiten“. Gleichzeitig hat die IG Metall für die Aktion eine Internetseite geschaltet, die unter der Adresse www.sonnige-zeiten.com erreichbar ist. So witzig die Sache auf den ersten Blick erscheint, ist es der IG Metall ein sehr ernstes Anliegen. „Wenn Autohäuser nicht mehr die Mindeststandards der Tarifverträge garantieren, dann setzt das eine Abwärtsspirale für Beschäftigten der ganzen Branche in Gang. Mit fatalen Auswirkungen auch für deren Umfeld,“ so Konrad Ott, erster Bevollmächtigter der IG Metall Ludwigsburg. Dies will die IG Metall nicht zulassen. Tarifleistungen wie regelmäßige Entgelterhöhungen, Weihnachtsgeld und 30 Tage Urlaub seinen sind eine wichtige Planungssicherheit für die Familien der Beschäftigten. „Wer daran die Axt ansetzt, bekommt es mit uns zu tun“, so Ott weiter.
In den nächsten Tagen finden auch Aktionen vor anderen Filialen des Autohauses Brunold statt. Das Autohaus Brunold hat insgesamt acht Standorte.
 
 

Nägele tarifgebunden

Die IG Metall kann ihr Kampagnenmaterial zum Autohaus Nägele zum Glück entsorgen.
Das Autohaus Nägele & Sohn ist der Tarifgemeinschaft beigetreten. „Wir finden das richtig gut. Dadurch werden die sozialen Mindeststandards der Tarifverträge garantiert“, so Matthias Fuchs, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Ludwigsburg.
Der Eintritt erfolgt aufgrund des Drucks der IG Metall. Sie hatte in der vergangenen Woche eine Aktion vor dem Autohaus gemacht. Die IG Metall Ludwigsburg hat ihre Aktivitäten zum Autohaus Nägele unter dem Titel www.weniger-drin-als-gedacht.de sofort gestoppt. Die Internetseite ist inzwischen nicht mehr erreichbar. „Selbstverständlich haben wir die Autohäuser Nägele sofort von der Negativliste gestrichen,“ so Fuchs. Auch im Schwarzbuch der IG Metall Baden-Württemberg wird die Firma nicht aufgeführt werden.
„Die Tarifverträge sollen für alle Beschäftigten des Kfz-Handwerks im Kreis Ludwigsburg gelten. Das ist ein Schritt in diese Richtung“, so Fuchs. Nach Mitteilung der IG Metall Ludwigsburg stehen noch 41 von 81 Kfz-Betrieben auf der Negativliste.
 

Sicherheit braucht Tarifverträge

Die Belegschaften der Firmen VW Originalteile Logistik GmbH (OTLG) und des Mercedes Autohaus Hoffmann waren am Dienstag, den 11. März zu Aktionen aufgerufen. Es beteiligten sich viele Beschäftigten unter dem Motto „Sicherheit braucht Tarifverträge“. „Die Beschäftigten wollen für sich und ihre Familien, dass der Schutz der Tarifverträge weiterläuft. Außerdem wollen sie 5 Prozent mehr Entgelt“, so Konrad Ott, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Ludwigsburg. „Gerade für Familien wirken sich die Preissteigerungen der letzten Jahre besonders aus. Da muss ein Schritt nach Vorne gemacht werden“, so Ott weiter.
Inzwischen hat die IG Metall Ludwigsburg auch eine Kampagnenseite im Internet eingerichtet. Unter www.faire-kfz-betriebe.de kann man sich über die Tarifrunde informieren. Auch Kfz-Betriebe, die künftig nicht mehr nach Tarif bezahlen wollen, kann man dort nachlesen.
"Die Forderung von 5% ist absolut berechtigt", so Ott. Er verweist dabei auf die verbesserte Branchensituation, die auch von Arbeitgeberseite für 2008 prognostiziert wird. "Die Beschäftigten in den Werkstätten liefern jeden Tag 1a Qualität ab. Dafür müssen sie auch anständig bezahlt werden. Notfalls treten wir mit unserer Forderung auch einzelbetrieblich an."
Aufgrund der undurchsichtigen Situation bei den Arbeitgebern wurden die Forderungen sowohl an den Innungsverband, die Tarifgemeinschaft und die alle tarifgebundenen Kfz-Betriebe im Kreis Ludwigsburg gestellt. Für eine Auseinandersetzung fühlt sich die IG Metall unterdessen gut gewappnet. So viele Neumitglieder wie im Januar und Februar seinen der IG Metall Ludwigsburg seit Jahren nicht beigetreten. Davon kommen über 100 aus dem Kfz-Handwerk. „Vielen Beschäftigten der Branche wird jetzt deutlich, warum es Gewerkschaften gibt“, so Konrad Ott.
Die ersten Verhandlungen zwischen der IG Metall und der neu gegründeten Tarifgemeinschaft für Betriebe des Kfz- und Tankstellengewerbes werden am Mittwoch, den 19. März 2008 in Korntal-Münchingen stattfinden. Die IG Metall fordert die Fortgeltung aller bisherigen Tarifverträge Baden-Württemberg. Außerdem will die Gewerkschaft 5 Prozent mehr Entgelt für Beschäftigten des Kfz-Handwerks durchsetzen.
Der Streit hatte sich im Frühjahr 2007 entzündet, als die Kfz-Innung ihre Tarifzuständigkeit aufgegeben hat. Kurze Zeit später wurde von den Arbeitgebern eine neue Tarifgemeinschaft gegründet. Im November 2007 hat die Arbeitgeberseite sämtliche Tarifverträge der Branche gekündigt. Sie sind zum größten Teil am 29. Februar 2008 ausgelaufen und befinden sich seither in der Nachwirkung. In Baden-Württemberg arbeiten 54 000 Beschäftigte der Branche.