Entstehung der Sozialdemokratie und Spaltung im Ersten Weltkrieg
In Deutschland hatten sich 1875 die beiden Flügel der »Lassalleaner« und der »Eisenacher« zur Sozialdemokratie zusammengeschlossen. Sie wurde bis 1890 durch die von Bismarck initiierten Sozialistengesetze unterdrückt und konnte sich nur wenig entfalten. Nach deren Abschaffung entwickelte sich die Sozialdemokratie aber schnell zur Massenpartei der Arbeiter. Ab 1892 war die Gewerkschaftsbewegung dann zentralisiert in der Organisation der »Freien Gewerkschaften«.
Im Jahr 1912 waren Freie Gewerkschaften und Sozialdemokratische Partei bereits die zahlenmäßig größten Organisationen der internationalen Arbeiterbewegung. Im Ersten Weltkrieg schlossen Sozialdemokratie und Freie Gewerkschaften einen »Burgfrieden« mit ihrem bisherigen Gegner. Daraufhin wurden sie 1916 erstmals staatlich anerkannt. Der Preis war die Spaltung der Arbeiterbewegung. Da die SPD für die Kriegskredite stimmte, spaltete sich ein Flügel von ihr ab und gründete die USPD. 1917 und 1918 wandten sich die Arbeiter in Massenstreiks gegen Krieg und Obrigkeitsstaat. In den Konflikten nach der November-revolution 1918/19 und der Phase der Arbeiter- und Soldatenräte vertiefte sich die langfristige Spaltung der Arbeiterbewegung in einen sozialdemokratischen und einen kommunistischen Flügel. Die Rätebewegung konnte sich in Deutschland nicht durchsetzen, ihr folgte ab 1919 die parlamentarische Demokratie. Massenarbeitslosigkeit, eine tief gespaltene Arbeiterbewegung und eine immer stärker werdende NSDAP waren die Kennzeichen des Niedergangs der Weimarer Republik ab 1929, der sich mit den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise immer mehr beschleunigte.