IG Metall Ludwigsburg
Schwieberdinger Strasse 71
D-71636 Ludwigsburg

Telefon: +49 (7141) 4446-11
Telefax: +49 (7141) 4446-20
ludwigsburg@igmetall.de

Online beitreten

Die Wurzeln der IG Metall

Was versteht man unter Arbeiterbewegung

Seit Beginn der Industriellen Revolution in Deutschland haben sich verschiedene Zusammenschlüsse und Organisationen gebildet, um sich um die Belange der Arbeiter zu kümmern. All diese Organisationen werden zusammenfassend als Arbeitebewegung bezeichnet. Einerseits wollen sie die Arbeiter zur Umgestaltung der Gesellschaft durch Revolution (Sozialismus) oder Sozialreformen (Sozialdemokratie) organisieren. Andererseits ist ihr Hauptziel die wirtschaftliche und soziale Situation der Arbeiter und ihrer Familien zu verbessern. Anfangs gehörten zur klassischen Arbeiterbewegung in Deutschland vor allem die  gesellschaftlichen Zusammenschlüsse wie Bildungs-, Sport- und Gesangsvereine, Naturfreunde, Waldheimvereine, soziale Organisationen wie die Arbeiterwohlfahrt und der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und schließlich Genossenschaften, die vorrangig der Versorgung der Arbeiter mit Nahrungsmitteln, Wohnungen u. ä. dienten.

Zusammengefasst versteht man unter Arbeiterbewegung den organisatorischen Zusammenschluss von Arbeitern zur Verbesserung ihrer sozialen Lage und zur Erkämpfung politischer Rechte. Karl Marx und Friedrich Engels waren die Theoretiker der Arbeiterbewegung.

Das Erkennungszeichen der Arbeiterbewegung war die rote Fahne, die aber auch heute noch von vielen Gewerkschaften benutzt wird.

Die Wurzeln der IG Metall - Die industrielle Revolution des 19. Jahrhunderts

Wie in vielen Ländern Europas liegen die Wurzeln der deutschen Gewerkschaften im 19. Jahrhundert. Zu den Zeiten der Industrialisierung lebten und arbeiteten die FabrikarbeiterInnen in jämmerlichen Verhältnissen. Auch in Deutschland hausten sie in Elendsvierteln.

Ihre Löhne und Arbeitszeiten waren nicht klar geregelt. Kranken-, Unfall-, oder Rentenversicherung waren völlig unbekannt. Fabrikbesitzer konnten ArbeiterInnen rücksichtslos ausbeuten. Ihnen gehörten die Fabriken und sie diktierten unmenschliche Arbeitsbedingungen:

  • 14 Arbeitsstunden an sechs Wochentagen waren die Regel.
  • Der Lohn war so kläglich, dass er kaum zum Überleben reichte.
  • Frauen mussten unter den gleichen Bedingungen arbeiten,
  • auch Kinderarbeit war keine Seltenheit.


Das Bild zeigt Kinder bei der Arbeit in einem Bergwerk des 19. Jahrhunderts. Die Stollen waren oftmals so klein das selbst Kinder nur in gebückter Haltung oder auf allen Vieren in ihnen arbeiten konnten.

Bald erkannten die ArbeiterInnen, dass sie einzeln der Übermacht der Fabrikbesitzer nicht gewachsen waren. Nur gemeinsam konnten sie sich durchsetzen. Einzelne ArbeiterInnen konnten leicht ersetzt werden, aber keine ganze Belegschaft. So gründeten 1848 die Berliner Tabakarbeiter die Association der Zigarrenarbeiter Deutschlands. Der Allgemeine Deutsche Cigarrenarbeiter-Verein, wurde dann 1865 in Leipzig gegründet (Mitgründer und Präsident war Friedrich Wilhelm Fritzsche) und war die erste zentral organisierte Gewerkschaft in Deutschland. Sie wurde zum Vorbild vieler neu gegründeter Gewerkschaften und ist eine Vorläuferorganisationen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.

Zur größten Sammlungsbewegung wurde dabei der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV), der 1863 unter der Führung von Ferdinand Lasalle gegründet wurde. Er gilt als Vorläufer moderner gewerkschaftlicher Organisationen und sozialdemokratischer Parteien. Parallel dazu entwickelten sich Einzelgewerkschaften, die sich in der Tradition der Zunftverfassung auf einzelne Berufsgruppen beschränkten. So entstand beispielsweise 1891 der Deutsche Metallarbeiter - Verband (DMV), der Vorläufer der heutigen IG Metall. Schon 1914 war der DMV die größte deutsche Einzelgewerkschaft und war bereits damals nach dem Industrieprinzip aufgebaut: Ein Verband für alle in der Metallwirtschaft tätigen Arbeitnehmer. 


5. Generalversammlung des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes 1901 in Nürnberg, Fotografie. (IG Metall, Zentralarchiv, Frankfurt a.M.)

Zu den wichtigsten Forderungen der frühen Arbeiterbewegung gehörten ein menschenwürdiges Dasein, also Löhne die zum Überleben reichten, die Reduzierung der Arbeitszeit, Arbeitsschutz, der Kündigungsschutz und die Sicherung bei Krankheit, Invalidiät und Arbeitslosigkeit. Diese Errungenschaften wurden mit Streiks Stück für Stück erkämpft. Daneben spielte die Arbeiterbildung eine wichtige Rolle.

Die Arbeiterinnenbewegung als Bestandteil der Arbeiterbewegung entstand ebenfalls im Zusammenhang mit der Märzrevolution von 1848/49. Die ersten Arbeiterinnenvereine wurden jedoch vom Staat verboten. Eine der bedeutendsten Figuren der sozialistisch-kommunistischen Arbeiterbewegung war Rosa Luxemburg.