Kaiserzeit, Weimarer Republik und NS-Zeit
Kaiserzeit und Weimarer Republik
Bild: Arbeitslose Jugendliche in der Weimarer Republik
Nach Jahrzehnten der Repression und Behinderung durch die Obrigkeit traten gewerkschaftliche Organisationen zwischen 1815 - 1848/49 und während der deutschen Revolution verstärkt öffentlich in Erscheinung und äußerten ihre Forderungen. Das Scheitern der Revolution und die darauf folgende Phase der Restauration führte jedoch dazu, dass die gewerkschaftliche Bewegung erneut an Schlagkraft verlor und sich erneuten Unterdrückungen ausgesetzt sah. Erst durch neue Reformen in den Jahren 1869 bzw. 1871, etwa die der Gewerbeordnung durch die Gewerbe- und Koalitionsfreiheit eingeführt wurde, entwickelten sich Gewerkschaften als Vertragspartner von Unternehmerverbänden. Die Arbeiterschaft musste um ihr Existenzminimum ringen, während die Unternehmer feudalistische Privilegien besaßen. Die Gewerkschaften waren zunächst daran interessiert die Lage ihrer Mitglieder zu verbessern. Sie führten Arbeitskämpfe, Streiks und Kaufboykotts gegen die Unternehmer durch. Dieser Machtzuwachs und die damit einhergehende Gefahr für das herrschende System brachte die Herrschenden dazu, Gewerkschaften zeitweise zu verbieten oder gesetzlich zu behindern. Generell verboten wurden gewerkschaftliche Aktivitäten zwischen 1878 und 1890 durch das Bismarcksche Sozialistengesetz. Erst mit dem Halberstadter Kongress des Jahres 1892 gewann die Gewerkschaftsbewegung wieder stark an Bedeutung und Macht.
In der Kaiserzeit bis 1918, nach der Revolution sowie während der „Weimarer Republik“ wuchs die Gewerkschaftsbewegung und konnte wichtige sozialpolitische Erfolge erzielen. Sie setzte sich für den Erhalt der jungen noch nicht gefestigten Demokratie ein.
Durch ihre Beteiligung am Generalstreik gegen den Lüttwitz-Kapp-Putsch 1920 gab ein Großteil der Gewerkschaften aller Richtungen ein Bekenntnis zur Weimarer Republik ab. In der relativen Stabilisierungsphase bis Ende der zwanziger Jahre gelang es den Gewerkschaften, wichtige Erfolge in der Sozialpolitik - vor allem die Einführung der Arbeitslosenversicherung 1927 - zu erzielen. Seit 1925 verlangte der ADGB eine Demokratisierung der Unternehmen durch Mitbestimmung der Belegschaften in zentralen wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen.
ADGB und Gewerkvereine waren sich zwar in der Ablehnung des Nationalsozialismus einig, allerdings besaßen sie, geschwächt durch die Weltwirtschaftskrise und aufgespalten in verschiedene Richtungen, nicht die gesellschaftliche Stellung, um der Machtübernahme der (NSDAP) entgegenzuwirken. Die Zerschlagung der Gewerkschaften durch das NS-Regime 1933 bedeutete schließlich das Ende unabhängiger Interessenorganisationen der Arbeitnehmerschaft.
NS-Zeit
Leipziger Gewerkschaftshaus und alle Unterlagen

1933 dagegen zögerten die Gewerkschaften mit Maßnahmen gegen die aufziehende Hitler-Diktatur. Nach der Machtergreifung der Nazis wurden viele Gewerkschaftsführer in Konzentrationslager gesperrt und ihre Gewerkschaftshäuser von der SA besetzt. Auch ein Aufruf der Gewerkschaften, den von den Nazis am 1. Mai 1933 veranstalteten Tag der Nationalen Arbeit zu unterstützen, half nichts. „Leider war es den Bemühungen der KPO nicht gelungen, die SPD und die KPD sowie die Gewerkschaften zu einer gemeinsamen Aktion zu bewegen. Nur die Einheitsfront dieser Organisationen wäre in der Lage gewesen, die Machtübernahme der Nazis zu verhindern.“ (Zitat Eugen Ochs) Am Tag danach verbot man die Gewerkschaften, und ihr Vermögen wurde auf die Nazi-Massenorganisation Deutsche Arbeitsfront (DAF) übertragen. In der DAF, deren Mitgliedschaft nicht verpflichtend war, waren zahlreiche ehemalige Gewerkschafter vertreten. 1944 hatte die DAF, als größte nationalsozialistische Massenorganisation, ca. 25 Millionen Mitglieder.
Die Zerschlagung der Gewerkschaften durch die Nazidiktatur im Jahre 1933 bedeutete auch das Ende einer freien Gewerkschaftsarbeit in Deutschland. Es folgten Jahre der Verfolgung, Unterdrückung und des Widerstandes auf Seiten der Gewerkschaftsanhänger. Viele ihrer Mitglieder wurden als Gegner der Nationalsozialisten Opfer von Verfolgung und Mord. Zu den bedeutenden Widerstandskämpfern aus den Reihen der Gewerkschaft zählen Eugen Ochs, Willi Bleicher, Hans Böckler und Ludwig Becker.